Was ich an London immer wieder faszinierend finde ist, dass man normalerweise problemlos mit dem ÖPNV überall hinkommt. Sei es einfach und relativ zügig mit der U-Bahn (Tube), fahrerlos mit der Docklands Light Railway oder langsamer, dafür mit toller Aussicht und vielen Eindrücken der vielfältigen Metropole in einem der vielen roten Doppelstockbusse.

Wenn man bedenkt, dass London das älteste U-Bahn-Netz der Welt hat und bereits 1863 die ersten unterirdischen Dampfloks untwegs waren, verwundert es einen nicht, dass das ÖPNV-Netz nicht immer den heutigen Anforderungen eines modernen Nahverkehrssystems entspricht. Doch besonders im Blick auf die Olympischen Spiele 2012 macht die Stadt mobil. Dies ist vor allem an den Wochenenden deutlich zu spüren. Allein an mehr als 100(!) Tagen in 2009/2010 werden jeweils Teile des U-Bahn- und DLR-Netzes stillgelegt, um die Infrastruktur zu modernisieren und zu erweitern.

Tja, und ausgerechnet an „unserem“ Wochenende waren die Linien betroffen, die wir am meisten nutzen wollten: Die Jubilee- und Victoria-Linien und große Teile der DLR. Das Zauberwort hieß von daher: Schienenersatzverkehr, also Busse statt Bahnen. Das Konzept ist uns ja aus Zeiten des RMV noch hinlänglich bekannt 😉 – die Dimensionen sind allerdings ein bisschen anders. Man muss schon den Hut ziehen vor dieser verkehrsplanerischen Leistung, fast vier komplette Linien zu ersetzen! Anscheinend wurden Busse aus ganz England zusammengesammelt und alles an Fahrern eingesetzt, was das Land hergibt ;-). Da sich wohl nicht alle Fahrer in London auskennen, wurden die Ersatzrouten sogar extra ausgeschildert.

Gelb statt rot ...

Gelb statt rot ...

Für uns bedeutete das Ganze: Vieeeel mehr Zeit von A nach B einplanen und mit „prähistorischen“ Bussen kutschiert werden. Aber angekommt sind wir letztendlich überall dort, wo wir auch hinwollten :-).

So beispielsweise am Sonntag im Churchill Museum und Cabinet War Rooms. Eine sehr spannende Geschichte. Zum einen kann man die fast original erhaltene geheime Kommandozentrale der britischen Kriegsführung des 2. Weltkrieges besichtigen und zum anderen gibt es ein neues, sehr interessantes Museum, welches das Leben Winston Churchills zum Gegenstand hat.

Hier liefen die Drähte heiß ...

Hier liefen 1939 bis 1945 die Drähte heiß ...

Wir haben im Museum mehr Zeit verbracht als geplant und so gings nach einen kurzen Päuschen auf dem Rasen des St James’s Park auch schon zurück ins Hotel zum Gepäck abholen und weiter mit dem Schienenersatzverkehr (mit was sonst? ;-)) zum Flughafen London City. Pünktlich gestartet, erreichten wir dann gegen 20.30 Uhr wieder schottischen Boden. Ein schönes, sonniges und erlebnisreiches Wochenende liegt hinter uns.

Und zum Trost kommt Depeche Mode dann ja im Dezember sogar direkt nach Glasgow :-D.