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Hier in Schottland ist die Finanzkrise („Credit Crunch“) immer noch sehr deutlich zu spüren. Vor allem natürlich was den Arbeitsmarkt angeht – da bewerben sich für einen einfachen Kurierfahrerjob bei einer kleinen Klitsche mal schnell 1500(!) Leute.
Aber auch der Immobilienmarkt ist ziemlich stark betroffen. Gute Nachrichten für alle, die sich schon immer mal ein Häuschen in Schottland kaufen wollten und dafür fleissig gespart haben. Man kann also durch die Wohngegenden laufen/fahren und findet fast sicher in jeder Straße mindestens ein Schild „For Sale“ („zu verkaufen“). Diese Schildchen sind ja wirklich praktisch
. Dabei kommen dann auch ganz außergewöhnliche Objekte auf den Markt – wer also schon immer mal seine eigene Kirche besitzen wollte, wir hier in Glasgow fündig:
P.S. Nein, wir werden hier nix kaufen. Denn dazu bräuchte man trotz der gesunkenen Preise immer noch sowas wie ein prall gefülltes Sparschweinchen und/oder einen Goldesel
.
… dass am 5. November 1605 das englische Parlament samt der Königsfamilie, vielen kirchlichen Würdenträgern und großen Teilen des Hochadels in die Luft geflogen wäre. Denn der Bösewicht Guy Fawkes hatte schon 26 Fässer mit Schwarzpulver bereit gehalten, um so ein richtiges Feuerwerk zu veranstalten. Dumm nur, dass ihn einer seiner Kumpels verraten hat und das ganze Spektakel für ihn am Galgen endete. Tja, …. blöd gelaufen.
Die ganze Nation – abgesehen von Guy und ein paar seiner Mitverschwörer – war natürlich sehr froh, dass nichts passiert ist und deshalb feiert man in ganz Großbritannien bis heute am 5. November Bonfire Night. In Glasgow gibt es an diesem Abend traditionell ein Riesen-Feuerwerk im Park Glasgow Green. Tausende von Glaswegians strömen auf den Rasen und natürlich haben auch wir uns das Ereignis nicht entgehen lassen:
P.S. Ich bin mir nicht sicher, ob manche Schotten nicht doch gerne ein bisschen am englischen Parlament herumzündeln würden
Glasgow zeigt sich gerade mal wieder von seiner klassischen Seite – wir haben eine Mix aus Sonne und Regen und es ist sehr sehr windig. Der Wind fegt nun auch schon die ersten Blätter von den Bäumen. Es wird Herbst in Glasgow, wie auch ein Blick aus unserem Fenster verrät:

Der Herbst hält Einzug in Glasgow
Wir hoffen natürlich auf einen ebenso schönen Oktober/November, wie wir ihn vor einem Jahr hier hatten. Etwas Entschädigung für den nassen August muß nun mal auch sein!
Für viele Kontinentaleuropäer und im besonderen für viele Deutsche ist das hiesige Brot ja eher sowas wie gebackene Luft. Nach einer gewissen Zeit hier kommt dann doch so manchmal die Lust auf „richtiges“ Brot hoch. Und was tut man da? Zuerst geht es natürlich ab in die einschlägigen Discounter aus deutschen Landen. Doch sowohl bei Aldi als auch bei Lidl bekommt man nur das abgepackte, dunkle Vollkornbrot – also fast schon Pumpernickel. Aber so ein schönes lockeres, saftiges Mischbrot ist halt doch nochmal was anderes. Klar, man kann auch selberbacken – das kann gutgehen, aber auch in den Daumen
.
Heute war ich das erste Mal in einem kleinen Lädchen in Glasgow, dem Bakehaus in der Great Western Road (stadtauswärts kurz vor der Klevinbridge). In dem Laden bekommt man vor allem Sandwiches in allen Variationen aber auch – tataaaa – deutsches Brot von einem bayrischen Bäcker gebacken:

Hach, riecht das gut!
Der nette Schotte im Laden erklärte mir (soweit ich das verstehen konnte), dass der Bäcker normalerweise Gastronomen in Glasgow beliefert aber auch sein Bakehaus. Anscheinend ist das Brot sehr gefragt und er meinte, er fände es auch ganz toll
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Obwohl ich ja eher ein Freund der britischen „Datschwecken“ bin, ist es klasse, mal wieder „richtiges“ Brot zu riechen und ich freue mich jetzt schon auf die Brezeln und Laugenbrötchen in Deutschland! Denn die vermisse ich wirklich.
Extreme Temperaturunterschiede innerhalb Europas haben wir ja schon im Winter gehabt. Und auch zurzeit haben wir mal wieder ein richtig kurioses Bild. Während in Deutschland die Leute schwitzen und vermutlich gerade mal ihren Kreislauf aufrecht erhalten können, haben wir in Glasgow mehrfach am Tag die Gelegenheit zu einer kalten erfrischenden Outdoor-Dusche. Fragt sich, was besser ist, zum Arbeiten kann man 30+ Grad eher weniger gebrauchen…

Temperaturunterschiede
Schuld am Regen hier ist übrigens ein Wolkenband, das sich hartnäckig über Schottland und kleinen Teilen Nordenglands hält. Der Rest Europas, inklusive Südengland, hat halt Sonne satt.
Also, wem’s grad zu warm ist – ab in den Flieger in die Frische nach Schottland!
Doktor wer? wird sich der ein oder andere fragen, und ist damit genau auf der richtigen Spur. Es handelt sich natürlich um den Doktor. Dr Who ist eine britische Science-Fiction-Serie, die mit Unterbrechungen seit den 60er Jahren bei der BBC läuft. Möglich wird eine konsistente Weiterführung der Serie durch eine spezielle Eigenschaft des Doktors, kurz vor seinem Ableben zu „regenerieren“, so dass der darauf resultierende nächste Doktor von einem neuen Schauspieler gespielt werden kann. Der derzeit 10. Doktor, gespielt von David Tennant, wird im nächsten Jahr vom 11. Doktor (Matt Smith) abgelöst. Eine der spannenden Fragen ist dabei u.A. jene nach der Kleidung des neuen Doktors. Dr Who ist eine Ikone des britischen Fernsehens und hat einen großen Einfluss nicht nur auf die britische SF-Kultur.
Zurzeit findet in Glasgow in der Kelvingrove Art Gallery and Museum eine Dr Who-Ausstellung statt, die ich letztens besucht habe. Man sieht hier einige Kostüme und Relikte der 2005 neu gestarteten Dr Who-Serie, wie z.B. dessen Raum-Zeit-Maschine, „TARDIS“ genannt. Diese nimmt die Gestalt einer alten britischen Polizeinotrufbox an, die teilweise heute noch in britischen Städten zu sehen sind, aber im Zeitalter von Handies längst außer Betrieb gesetzt wurden. Witziger weise werden diese Notrufboxen heutzutage tatsächlich eher mit Dr Who denn mit der Polizei assoziiert.

Der Doktor im West End gelandet? Nein, nur eine harmlose alte Polizeibox am botanischen Garten...oder?
Neben der TARDIS dürfen natürlich auch die Erzfeinde des Doktors, die fiesen kleinen Daleks, nicht fehlen:
Gestern hatten wir im Rahmen des Glasgow River Festivals die Möglichkeit, mit dem letzten seetüchtigen Schaufelraddampfer der Welt eine Rundfahrt auf dem Clyde zu machen. Die Waverley hat uns vom Glasgow Science Museum bis nach Clydebank geschippert. Der Dampfer ist ein wunderschönes Schiff mit viel Holz, Messing, großen Schornsteinen, … – ein bisschen in der Tradition der alten Ocean Liner. Der Maschienenraum mit dem Dampfantrieb ist einsehbar und schon beeindruckend. Man kommt sich da doch ein bisschen wie ein Zeitreisender vor.
Unterwegs konnte man sehr gut sehen, was Glasgow einst so erfolgreich gemacht hat: Schiffsbau und Seefahrt. Heute sind nur noch wenige Werften übriggeblieben. Eines der Wahrzeichen dieser vergangenen Ära ist der Titan Crane. Der Kran ist nun eine Touristenattraktion, die man besichtigen kann:
Der größte Auftraggeber ist die Britische Marine, die hier mehrere Schiffe – unter anderem zwei Flugzeugträger – fertigen lässt. Ansonsten werden die Ufer immer mehr in Wohngebiete mit Blick aufs Wasser umgewandelt.
Auch auf dem Festival selbst konnten wir mal wieder sehen, dass hier das Militär eine weitaus größere Rolle spielt als in Deutschland. Manchmal ist das schon ein bisschen befremdlich, wie die Armee und ihre Tradition hier gesehen und auch zelebriert werden. Wobei mir auf Anhieb ein paar unsere Freunde einfallen würden, die sicher die beiden auf dem Festival anwesenden Schiffe der Royal Navy auch gerne besichtigt hätten.
Natürlich gibts in unserem Juli-Album bei Flickr noch ein paar mehr Fotos!
Gestern flatterte ein Brief vom Sheriff Courts of Glasgow* ins Haus. Oops! Haben wir was angestellt, oder wie?? Nein – nochmal gutgegangen: Der Sheriff ist auf der Suche nach sog. „jurors“. Das sind im schottischen Rechtssystem die Laien (jury), die die Gerichte bei der Urteilsfindung unterstützen. Ein bisschen vergleichbar mit Schöffen in Deutschland.

Eine Jury besteht aus 12-15 Mitgliedern, die zufällig unter allen im Wahlregister eingetragenen Personen ausgewählt werden. Zusammen mit dem Richter/der Richterin entscheidet die Jury, ob der/die Angeklagte schuldig oder nicht schuldig gesprochen wird. Tja, und der Zufallsgenerator hat mich ausgewähl! Ob mir wohl die Perücke, die man aus diversen Filmen mit britischen Gerichtsszenen kennt, steht?
Hat ja irgendwas von Mozart & Co. *schonmal Puder rauskram*
Aber auch bei der Auswahl der Juroren gibt es das Kleingedruckte: Zur Ausübung des Amtes muss man mindestens die letzten 5 Jahre in Großbritannien gelebt haben. Ok, Mr Sheriff, das wird wohl nix. Wobei mir auch so die Perücke erspart geblieben wäre, denn die ist den schottischen Richtern vorbehalten:

Hugh Pattison Macmillan, schottischer Richter (Quelle: Wikimedia Commons)
* vergleichbar mit dem deutschen Amtsgericht
Hier in Glasgow könnte man eigentlich jeden Abend zu irgendeinem Konzert, einer Ausstellung, ins Theater, ins Kino, … gehen. Ok, das wäre dann vielleicht sowas wie ein kultureller Overkill. Aber ab und zu ist es schon nett. So haben wir uns gestern für das Konzert von Emilíana Torrini im Oran Mor entschieden und einen sehr schönen Abend erlebt.
Ähm halt, wer hat da gesungen? Ach klar, das ist doch die Dame, deren Song „Jungle Drum“ beim Live-Walk aller Kandidatinnen im Finale von Germany’s Next Topmodel (GNTM) lief und danach die iTunes-Hitliste stürmte!
Gut, allen, die dieses kulturelle Highlight verpasst haben, nützt vielleicht der Hinweis auf den Soundtrack von „Die zwei Türme“, dem zweiten Teil der Herr-der-Ringe-Filme-Trilogie. Hier ist sie mit „Gollum’s Song“ zu hören. Außerdem hat Emilíana Torrini ein paar Jahre ihrer Jugend in Mörfelden-Walldorf gewohnt. Vielleicht ist ja jemand mit ihr zur Schule gegangen?

Emiliana live im Oran Mor
Apropos Germany’s next Topmodel: Gestern beim Konzert habe ich mir mal wieder die Frage gestellt, wieso viele Damen der Meinung sind, die derzeitige modische Entgleisung der aktuelle Modetrend in Form von schwarzen Leggins in diversen Längen – oft mit auftragendem leichtem Glanz(!) – in Kombination mit langen T-Shirts oder super kurzen Minis oder Hängerkleidchen sei für ALLE Menschen vorteilhaft kleidsam. Denn auch in Schottland hat nicht jede Heidi Klums Figur
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Und wo passt nun noch Martin Luther hier rein? – Der hing an der Wand des Auditoriums des Oran Mor und hat sich das Konzert ebenfalls angehört
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Der stille Zuhörer













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