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Für viele Kontinentaleuropäer und im besonderen für viele Deutsche ist das hiesige Brot ja eher sowas wie gebackene Luft. Nach einer gewissen Zeit hier kommt dann doch so manchmal die Lust auf „richtiges“ Brot hoch. Und was tut man da? Zuerst geht es natürlich ab in die einschlägigen Discounter aus deutschen Landen. Doch sowohl bei Aldi als auch bei Lidl bekommt man nur das abgepackte, dunkle Vollkornbrot – also fast schon Pumpernickel. Aber so ein schönes lockeres, saftiges Mischbrot ist halt doch nochmal was anderes. Klar, man kann auch selberbacken – das kann gutgehen, aber auch in den Daumen
.
Heute war ich das erste Mal in einem kleinen Lädchen in Glasgow, dem Bakehaus in der Great Western Road (stadtauswärts kurz vor der Klevinbridge). In dem Laden bekommt man vor allem Sandwiches in allen Variationen aber auch – tataaaa – deutsches Brot von einem bayrischen Bäcker gebacken:

Hach, riecht das gut!
Der nette Schotte im Laden erklärte mir (soweit ich das verstehen konnte), dass der Bäcker normalerweise Gastronomen in Glasgow beliefert aber auch sein Bakehaus. Anscheinend ist das Brot sehr gefragt und er meinte, er fände es auch ganz toll
.
Obwohl ich ja eher ein Freund der britischen „Datschwecken“ bin, ist es klasse, mal wieder „richtiges“ Brot zu riechen und ich freue mich jetzt schon auf die Brezeln und Laugenbrötchen in Deutschland! Denn die vermisse ich wirklich.
Auch hier in Schottland wollen wir ja nicht mit der Tradition brechen und so gabs gestern dann auch endlich den obligatorischen Erdbeergeburtstagskuchen für Ingo:

Es lebe die Familientradition
Damit er den nicht ganz alleine vertilgen musste, kamen ein paar nette Leute zu Besuch, es gab außer Kuchen noch ein bisschen deutsches „Partyfood“ in der Form von Frikadellen, Nudelsalat & Ritter-Sport und natürlich auch Flüssiges aus der alten und neuen Heimat
Schön wars!
Einfach nur faul herumlungern? Nix da! Unser Wochenende war ziemlich kunterbunt, eigentlich schon eher multikulturell
.
Angefangen hat es am Freitagabend mit einer Geburtstagsfeier von Ingos iranischem Kollegen. Schon hier war eine bunte Mischung der Nationen vertreten und die Stimmung war auch recht gut. So richtig lebendig wurde es aber erst, als – man traute seinen Ohren kaum – auf einmal zwischen all dem iranischen House Modern Talking aus den Boxen schallte
.
Gut Deutsch gings dann am Samstag weiter, als wir zum ersten Mal zu einem German Language Meetup gingen. Dort treffen sich Leute aus und um Glasgow, die irgendwie gerne Deutsch sprechen wollen. Da die Muttersprachler deutlich in der Unterzahl waren, fanden die Unterhaltungen in einem gelungenen Mix aus Deutsch, Englisch und Schottisch statt. Und irgendwie hat jeder auch (fast) alles verstanden
. Außerdem gabs leckeres hausgemachtes indisches Essen von unserem Gastgeber David und den Film „Der Baader-Meinhof-Komplex“ im Original mit englischen Untertiteln.
Sonntags wurde es dann wieder richtig schottisch: Mit Danny gings zu Freunden von ihm, die als Verwalter von Castle Menzies in Weem/Aberfeldy tätig sind. Das hat uns in den Genuss einer VIP-Führung mit vielen interessanten Hintergrundinformationen zum Clan Menzies verholfen. Und wer kann denn schon von sich sagen, in einer Küche aus dem 16. Jahrhundert über dem offenen Feuer Pizza gebacken zu haben?

Hier wurde dann später die Pizza gebacken ...
Nur beim Bogeschießen haben wir nicht so wirklich ins Schwarze getroffen – da fehlt dann halt doch etwas die Übung
. Spät am Abend gings dann entlang des wunderschönen Loch Tay zurück nach Glasgow. Da genießt man es dann schon, dass es hier zur Zeit bis gegen 22.45 Uhr hell ist.
Nun gut, Recycling in der Art, dass man gefühlte 83 verschiedene Behälter zum Trennen des Mülls in der Wohnung stehen hat, ist hier noch nicht bekannt. Dafür habe ich beim Einkaufen festgestellt, dass verbrannte angebrannte Brötchen kein Grund sein müssen, diese einfach zu entsorgen. Man verpackt sie einfach und preist sie als „well fired“ mit „superior flavour“ an
:
Aber im Ebay-Zeitalter wissen wir ja auch, dass sich für alles irgendwie ein Käufer findet, oder?
Meist wird die britische Küche ja etwas belächelt und die schottische gar mit frittierten Mars-Riegeln gleichgesetzt. Man kann hier aber auch Sachen entdecken, die einfach nur lecker sind. So ist bei uns auf dem Frühstückstisch nun Lemon Curd Pflicht!
Wer es einmal testen möchte, kann gerne zum Frühstück vorbeikommen
Ach ja, Nutella gibt es bei uns natürlich trotzdem noch!
P.S. Das ist unser 100. Blogeintrag
Vielen Dank an alle fleißigen LeserInnen und KommentarschreiberInnen – wir freuen uns immer sehr über eure Reaktionen!
Heute steht auch schon die erste Abschiedsfeier an – denn in einem Monat sitzt Ingo bereits an seinem neuen Schreibtisch in Glasgow. Da bietet sich der Feiertag heute an, den Abschied einzuläuten. Wir freuen uns, dass so viele Darmstädter Freunde zugesagt haben, zu kommen!
Zur Einstimmung auf Schottland gibt es:
- Original britischen Tee
- Shortbread in allen Variationen
Später dann:
- Hotch-Potch (Erntefestsuppe aus Schottland)
- Cranachan (typisch schottisches Dessert)
und wer Lust auf ein paar gute schottische Single Malts hat, wird auch auf seine Kosten kommen
So, jetzt aber zurück zu den Vorbereitungen!
Eine der häufigsten Reaktionen auf unsere Schottland-Pläne ist: „Da gibts ja gar kein vernünftiges Brot“. Da stellt sich ja nun schon die Frage, wie man diesen Mangel beseitigen kann. Also hat Ingo heute ins Bäckerfach gewechselt und zum ersten Mal selbst Brot gebacken! Marke: „Bauernkruste“. Und, was soll frau sagen: Es ist klasse geworden – Congratulations! Es werden also sicher ein paar Packungen Brotbackmischung mit nach Schottland reisen
Hier nun noch der Bäcker mit seinem Erstlingswerk:














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