Die letzten drei Wochen habe ich ausgiebig ein paar unserer Hörsäale inspiziert. Nicht, dass ich wieder ein Studium angefangen habe, diesmal stand ich auf der anderen Seite und habe für einen Bachelor- und einen Masterkurs eine Vorlesung und Übung zum Thema “XML” gehalten. In Deutschland habe ich ja schon einige Lehrerfahrung sammeln können, nun wollte ich mal in das britische Lehrsystem reinschnuppern.

Was so anders ist? Der Stoff und die Art und Weise, wie unterrichtet wurde (in diesem Fall Frontalunterricht – einer spricht alles hört zu) ist genauso wie in Deutschland. Auch hier gibt es die Diskussion, wie man geeignetere Unterrichtsformen anwenden kann. Ein großer Unterschied sind die Hörsäale selbst, die sehr gut ausgestattet sind. Man kommt sich eher vor wie im Kino, wenn man die Plüschsitze dort sieht. Auch die Ausstattung im Labor kann sich durchaus sehen lassen. Finanziert wird das Ganze teilweise von den Engländern, die hier als einzige noch Studiengebühren zahlen müssen! Die Studierenden selbst hören zu oder dösen vor sich hin – ich habe kein einziges Notebook auf den Tischen (die übrigens frei von jeglicher Kritzelei sind) gesehen, wie es in Deutschland eher üblich ist.

Für mich jedenfalls waren die insgesamt 6 Stunden Vorlesung eine hilfreiche Erfahrung, für den eigentlichen Dozenten der Veranstaltung eine willkommene Entlastung.

Heute genau vor einem Jahr war es so weit: Das Pendeln zwischen Darmstadt und Glasgow hatte ein Ende! Mit unserem Punto erreichten wir am frühen Nachmittag Glasgow und hatten nun ein neues gemeinsames Zuhause! :-) Manchmal kommt es einem so vor, als ob das erst gestern war – denn die Zeit in Schottland ist bisher ruckzuck vergangen. Auf der anderen Seite scheinen wir schon ewig hier zu leben, denn es war für uns ein sehr erlebnisreiches Jahr. Hier ein Auszug in Stichworten:

  • Die Wohnung fertig eingerichtet (auch wenn man hier möbliert mietet – so ein eigener Touch muss doch sein).
  • Englisch ist nicht gleich Schottisch ist nicht gleich Glaswegian. Schulenglisch wird überschätzt.
  • Eine Menge netter Menschen kennen gelernt, die uns das Einleben hier sehr erleichtert haben!! Aber auch viel Unterstützung in Form von E-Mails, Besuchen, Telefonaten, Päckchen, Blogkommentaren, … erfahren von Leuten, von denen wir uns in Deutschland verabschiedet haben. Danke! :-D
  • Neue Jobs begonnen und damit teilweise ungeahnten Herausforderungen ins Auge geschaut.
  • Die bis dato komplizierteste Steuererklärung gemacht, viel Papierkram erledigt.
  • Erste Erkundungstouren in Schottland unternommen und an die 30 Geocaches gefunden. Wir sind oft geplättet, dass man hier so viel Schönes sehen und erleben kann. Noch nie vorher soviele Fotos in einem Jahr gemacht.
  • Deutschland aus einer neuen Perspektive gesehen. Und erste Schritte in einer manchmal so ganz anderen Kultur unternommen.
  • Außerdem haben wir noch im Angebot: Gefeiert, gelacht, geärgert, gefrusted, genossen, genervt, gefroren, geschlittert, geflogen, angefeuert, gefreut, gegessen, getrunken, gebloggt, gequantet, geknippst, … – die ganze Palette eben :-) . Vieles davon hier im Blog nachzulesen.

Und hier noch ein kleiner Bildvergleich – Der Blick aus unserem Wohnzimmer vor genau einem Jahr und heute:

Jeweils der erste Montag im Februar ...

Ende letzten Jahres hat hier in Glasgow die erste Filiale der englischen Lebensmittelkette Waitrose eröffnet. Der ehemalige Somerfield in der Byres Road ist somit einem etwas edleren Ambiente gewichen. Ich war ja schon ein bisschen neugierig, was der Import aus dem Land südlich der Borders so anbietet und war letzte Woche einmal dort zum ausführlichen Herumschnuppern. Dabei habe ich festgestellt, dass sich das Sortiment grundsätzlich nicht sooo sehr geändert hat – aber es ist alles sehr hochwertig und nicht gerade preisgünstig. Außerdem gibts eine Menge “kontinentaler” Ware – so nennt man hier alles, was man jenseits des Ärmelkanals liebt und schätzt. Am lustigsten fand ich auf Grund des Namensgebung folgendes Produkt, das dann auch sofort im Einkaufswagen gelandet ist:

Mortadella

Lecker Mortadella ...

Außerdem gibts gutes deutsches Roggenmischbrot (Das Bakehaus hat ja leider seine Tore geschlossen) und echtes Kühne-Sauerkraut. Also, der nächste Einkaufsbummel kommt bestimmt. :-D

Schneefall und Temperaturen unter 0˚C sind in Glasgow trotz des gerade herrschenden europäischen Hochwinters eine Seltenheit. Die derzeitige Kältewelle sorgt allerdings dafür, dass sogar die beiden Glasgower Stadtflüsse Kelvin und Clyde teilweise zugefroren sind, auch wenn die Schneehöhen lange nicht an den teilweise in Deutschland gemessenen heran reichen. Grund genug für uns, uns heute mit einer Bustageskarte und der Kamera bewaffnet in Glasgow auf Tour zu begeben. Hier ein paar Eindrücke:


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Weitere Fotos von Glasgow und dem winterlichen Schottland gibt es wie immer in unserem Januar-Album auf Flickr. Einen besonderen Schnappschuss möchte ich aber nicht vorenthalten, den wir vor unserem Haus aufgenommen haben und der unser Quasi-Haustier zeigt:

Fuchs auf verschneiter Hecke

Fuchs auf verschneiter Hecke

Die britische Insel wird zur Zeit von der heftigsten Kältewelle seit 30 Jahren heimgesucht. Darauf ist man im Land der Sommerreifen und der nicht vorhandenen Streupflicht nicht so wirklich vorbereitet. In der letzten Nacht z. B.  musste sich die Armee  mehr als 1000 Autos annehmen, die auf einer englischen Autobahn gestrandet waren. Hier in Glasgow verläuft das Ganze bisher noch ganz glimpflich: Ein bisschen Schnee, strahlender Sonnenschein, total vereiste Bürgersteige (siehe keine Streupflicht) und Treppen, geräumte Hauptstraßen, … weitestgehend normales Leben also. :-)

So siehts beim Blick aus unserem Wohnzimmer aus ...

Winterwonderland - Blick aus unserem Wohnzimmer

Jenseits der Grenze zu unseren englischen Nachbarn ist die Lage schon ein bisschen kritischer: Flughäfen gesperrt, der öffentliche Verkehr nur eingeschränkt funktionsfähig, viele Arbeitnehmer kommen nicht zur Arbeit, Streusalzvorräte aufgebraucht, ….  Ganz sicher aber freuen sich die Schülerinnen und Schüler, deren Schulen geschlossen sind: Aufgrund von unzureichender Heizungsanlagen und/oder mangelnder Transportmöglichkeiten sind tausende von Schulen geschlossen. Wenn kümmert es da schon, dass es hierzulange sowas wie “Hitzefrei” nicht gibt? :-D

Wenn man in Schottland unterwegs ist und sich ein wenig für Land, Leute und Geschichte interessiert, wiederholen sich immer wieder ein paar Namen. Namen von Menschen, die den Schotten besonders wichtig sind und um die sich meist eine besondere Historie rankt.

Einer dieser Namen ist Mary, Queen of Scots. Wir kennen sie besser als Maria Stuart. Dank vieler literarischer Werke, diverser Verfilmungen, Englisch- und Geschichtsunterricht oder vielleicht einem Theaterbesuch ist sie vielen ein Begriff. Wir haben heute den schönen Winternachmittag genutzt und uns angeschaut, wo die einstige Königin der Schotten 1542 geboren wurde: Im Palast von Linlithgow. Die Temperaturen waren am ihrem Geburtstag am 8. Dezember vielleicht ähnlich wie heute. Eiskalt. Sicher nicht allzu gemütlich in einem Schloss, das nur von Kaminen beheizt wurde. Nun ja, auch wenn heute Linlithgow Palace zum größten Teil eine Ruine ist, kann man noch gut erahnen, wie im 16. Jahrhundert dort gelebt wurde.

Linlithgow Palace

Geburtshaus der wohl bekanntesten schottischen Königin

Doch zurück zu Mary: Mit 6 Tagen wurde sie durch den Tod ihres Vaters Königin von Schottland, mit nicht einmal einem Jahr erfolge die offizielle Krönung. Doch wegen diverser politischer Wirren musste sie mit ihrer Mutter mehrfach fliehen und sich u.a. im Kloster Inchmahome verstecken. Mit 5 Jahren wurde sie nach Frankreich in Sicherheit gebracht. Dort heiratete sie 1558 vertragsgemäß den französischen Thronfolger. Erst 1561 betrat sie wieder schottischen Boden und platze mitten in die Zeit der Reformation. Es folgten Jahre voller Intrigen, Feindschaften, Freundschaften, Hochzeiten, … wie sie sich der Autor eine Soap-Opera nicht besser hätte ausdenken können. Das Ganze nahm dann aber kein Happy End: Nach 18 Jahren Haft wurde Maria Stuart am 8. Februar 1587 hingerichtet. Ihre Spuren jedoch finden sich noch heute in ganz Schottland. Mal sehen, wo wir noch alles auf sie stoßen werden.

Achja, Linlithgow wird übrigens noch einen ganz bekannten Sohn der Stadt bekommen: Lt. Commander Montgomery „Scotty“ Scott aus Star Strek wird 2222 dort geboren werden. ;-)

So, genug Geschichte für heute :-D . Jetzt nehmen wir euch noch mit in den gemütlichen Pub The Four Marys zu einem richtig guten traditionellen Sunday Roast:

Sunday Roast

Lecker!

Und wer noch ein bisschen mehr vom heutigen Ausflug sehen möchte, kann sich unser Januar-Album bei Flickr anschauen. :-)

Wir hoffen, ihr habt euch Weihnachten so gut verwöhnen lassen bzw. ausspannen können, wie wir es konnten. Vielen Dank nochmal an unsere Familien für eine wunderbare Zeit in Deutschland! Nun sind wir wieder zurück in Glasgow, und 2010 nähert sich mit Riesenschritten. Das gute alte Silvester nennt sich hier in Schottland übrigens Hogmanay und traditionell findet die größte Feier in Glasgow auf dem George Square statt. Als neue Glasgwegians werden wir natürlich die Gelegenheit ergreifen und unser erstes schottisches Hogmanay dort feiern.

George Square, Glasgow

George Square, Glasgow

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unseres Blogs einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr! Happy Hogmanay! :-)

Nun sind alle Türchen an unserem Adventskalender offen und auch unser Countdown-Weihnachtsmann zeigt an, dass es soweit ist:

Wir wünschen allen unseren Blog-Leserinnen und -Lesern ein wunderschönes und gesegnetes Weihnachtfest!

Mitten im vorweihnachtlichen Trubel mal ein längst überfälliger Eintrag.

Vorletztes Wochenende fand in Glasgow ein besonderes Ereignis statt: Depeche Mode, seit nun über 25 Jahren eine meiner Lieblingsbands, kamen am 12. Dezember nach 21 Jahren wieder nach Schottland! Dieses Ereignis musste natürlich gebührend gefeiert werden, und so stand ein verlängertes Party-Wochenende mit viel Depeche Mode an, welches durch den Auftritt von Placebo am Montag abgerundet wurde.

Der Depeche-Teil begann und endete mit dem Rammy of the Universe, einer zweitägigen Depeche Mode-Party in Glasgow. Depeche Mode-Parties sind gang und gäbe in Deutschland, wo die Band auf eine große Anzahl Fans zurückgreifen kann, aber nahezu unbekannt in Großbritannien. Allein deswegen ein besonderes Ereignis also.  Aufgelegt hat u.a. ein alter Bekannter – DJ Niggels aus Münster, der auch auf diversen Parties in Deutschland für allerhand Stimmung sorgt. Veranstaltet wurde der Rammy of the Universe übrigens von einer Gruppe Schotten namens The Kilts, die seit der letzten Tour Depeche Mode fast überall auf der Welt nachreisen und dabei auch als Vertreter schottischer Kultur (eben der Kilts) auffallen.

Das Wochenende begann also am Freitag mit dem ersten Teil der Party. Hier gab es Auftritte dreier kleinerer Bands (u.a. Analog Angel aus Glasgow).  Nach der Pre-Show-Party Samstag Nachmittag  ging es dann mit Niggels und einigen Vertretern von IBM in Greenock Richtung SECC, wo Depeche Mode auftraten. Beim Konzert merkte man, dass die Schotten recht ausgehungert nach DM waren, denn die Stimmung war grandios, und so feierten wir einen richtig guten Abend, der bei der anschließenden After-Show-Party seine Fortsetzung fand.

Dave Gahan (Depeche Mode)

Dave Gahan (Depeche Mode)

Sonntag war eher ruhig. Damaris, Niggels und ich haben der Auchentoshan-Destillerie einen Besuch abgestattet. Niggels hat sich einen Auchentoshan Three Wood gekauft, über den sich die Security am Edinburgher Flughafen besonders gefreut hat.

Montag ging es mit zwei Freunden noch zum Placebo-Konzert, ebenfalls im SECC. Dieser sehr gute Gig rundete das verlängerte Wochenende ab.

Weitere Fotos vom Depeche Mode-Wochenende und dem Placebo-Konzert

So zwischendurch darf doch auch ein bisschen Kultur nicht fehlen und so habe ich heute das erste Mal das Scottish Ballet mit einer Aufführung des Nussknackers (“The Nutcracker”) im Theatre Royal in Glasgow gesehen. Es war richtig gut und die Musik Tschaikowskis einfach zeitlos schön. Die Inszenierung war zwar recht klassisch, aber dennoch nicht zu kitschig. Ein gelungener Abend zum Entspannen und Genießen!

Hier noch ein paar Momente zum miterleben:

Nett war auch, dass auf der Rückfahrt im Bus einer der Tänzer fast neben mir sass und sich ganz angeregt mit drei älteren Damen unterhalten hat, die ebenfalls in der Aufführung waren. Er musste dann gleich ein Autogramm geben und die drei waren hin und weg. Tja, Männer – mit Ballett macht man Frauen glücklich. ;-)

Wetter in Glasgow

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